Schutzgebiet Heidenweg
Übersicht
BirdLife Bern besitzt über 50 Hektar Land und betreut zudem verschiedene Naturschutzgebiete im Kanton Bern. Dazu gehören international und national bedeutende Gebiete wie der Fanel und der Heidenweg. Dabei pflegen wir die Lebensräume, führen Biotopaufwertungen zu Gunsten gefährdeter Tier- und Pflanzenarten durch und zählen die Brutvögel. Dabei arbeiten wir eng mit dem Kanton Bern und Partnern zusammen.
Diese wichtigen Arbeiten könnten ohne Freiwillige nicht durchgeführt werden. Wer sich direkt im Naturschutz im Kanton Bern engagieren möchte, kann sich bei gebiete@birdlifebern.ch melden.
Heidenweg
Der Blick vom Jolimont aus über Erlach auf den Heidenweg offenbart dank differenzierter Pflege ein vielfältiges Landschaftsbild.
Wegen der geringen Dynamik müssen offene Wasserflächen künstlich geschaffen werden. Hier sieht man den Baubeginn des Längsgraben 2019, der von der damaligen Berner Ala mitfinanziert wurde.
Hier derselbe Blick auf den fertig erstellten Längsgraben im Frühjahr 2019.
Seit 2014 werden auf dem Heidenweg an wechselnden Standorten Riedstreifen stehen gelassen, sowie kleinere, mehrjährige Rotationsbrachen angelegt.
Hier sieht man die Weiträumigkeit des Gebiets mit ausgedehnten Kleinseggenrieden.
Grosse Pechlibelle
An schönen Tagen und am Wochenende ist der Erholungsdruck gross.
Vielfältigere Strukturen: an wechselnden Standorten werden Riedstreifen stehen gelassen, kleinere, mehrjährige Rotationsbrachen angelegt und es wird zeitlich gestaffelt gemäht.
Ausgedehnte Kleinseggenriede, im Hintergrund Erlach und der Jolimont.
Daten
Grösse: 438 ha, davon 5.6 ha im Besitz von BirdLife Bern
Höhe: 430 Meter über Meer
Brutvögel
Bedeutende Bestände: Zwerg- und Haubentaucher, Wasserralle, Nachtigall, Rohrschwirl, Fitis, Bartmeise, Rohrammer
In kleinerer Anzahl: Kolbenente, Zwergdommel, Baumfalke, Kuckuck, Kleinspecht, Pirol, Schwarzkehlchen, Feldschwirl, Drossel- und Sumpfrohrsänger
In einzelnen Jahren: Rohrweihe, Kleines Sumpfhuhn, Tüpfelsumpfhuhn, Neuntöter
Überwinterer
Regelmässig: Kornweihe, Bekassine, Raubwürger
Betreuung
Stefanie von Felten, Björn Fuhrer, Thomas Sattler
Bestandesaufnahme der Brutvögel durch Paul Mosimann-Kampe
Bedeutung
Der Heidenweg erstreckt sich vom Hafen in Erlach als ca. 400 m breiter Landstreifen 4,5 km weit in das westliche Bielerseebecken hinein bis zur St. Petersinsel. Die Landbrücke entstand im Rahmen der ersten Juragewässerkorrektion (1868 bis 1878) als Folge der Seespiegelabsenkung.
Mit seinen 164 Hektaren ist der Heidenweg das grösste Flachmoor des Berner Mittellandes. Das Gebiet verfügt über eine gut ausgebildete Verlandungszone mit charakteristischen Tier- und Pflanzenarten. Wichtigste Pflanzengesellschaften sind Kleinseggenried (auch Orchideen-Kopfbinsenried genannt), Schilfröhricht, Schneidebinsenried und Grossseggenried.
Flora und Fauna
Die Kleinseggenriede sind trotz ihres verhältnismässig jungen Alters sehr vielfältig und einzelne gefährdete Arten weisen hohe Bestände auf, z. B. die beiden Orchideenarten Sumpf-Knabenkraut und Sommer-Wendelähre, der Lungen-Enzian und der Schweizer Alant. Im Grossseggenried gehören das Graue Reitgras und die Ufer-Segge zu den Besonderheiten. Der Kantige Lauch und das Rasige Vergissmeinnicht besiedeln beide Riedtypen. Der Mittlere Wasserschlauch kommt in Schlenken von Grossseggenrieden und in Fahrrinnen vor, das Kleines Tausendgüldenkraut auf Pionierstandorten.
Röhricht, Ried und der angrenzende Bielersee stellen für viele Vogelarten bedeutende Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete dar. Seit 2000 wurden auf dem Heidenweg und der St. Petersinsel insgesamt 211 Vogelarten nachgewiesen, davon 84 als sichere, wahrscheinliche oder mögliche Brutvögel. Die einzelnen Vogelarten siehe oben.
Der Heidenweg ist ausserdem ein wichtiges Laichgebiet für Amphibien, u. a. Teichmolch, Gelbbauchunke und Laubfrosch. Die grossflächigen Flachmoorgesellschaften beherbergen zum Teil seltene Insektenarten wie die Westliche Dornschrecke und die Kurzflügelige Schwertschrecke.
Pflege und Förderung
Die Pflege und Förderung ist seit 2011 auf 22 Zielarten ausgerichtet. Die grösste Herausforderung für den Naturschutz ist das fehlende Wasser, respektive die Regulation des Zu- und Abflusses des Bielersees. Vergleiche der Vegetation zwischen 1976 und 2017 zeigen eindrücklich, wie in höher gelegenen Bereichen Pfeifengraswiesen auf Kosten der Kleinseggenriede zunahmen, während in tiefer gelegenen Bereichen die bultigen Grossseggenriede abnahmen. Die Überflutungsdauer in den höheren Bereichen hat abgenommen, während die tieferen Bereiche länger unter Wasser stehen. Das Flachmoor ist vor allem im Frühling zu trocken, was für Pflanzen wechselfeuchter Standorte, aber auch für Amphibien fatal ist.
Nachdem der grösste Teil der Riedflächen während Jahrzehnten im September grossflächig gemäht worden war, wurde dieses Schnittregime ab 2014 aus Naturschutzgründen in eine zeitlich gestaffelte Mahd überführt. Zudem wurden an wechselnden Standorten Riedstreifen stehen gelassen sowie kleinere, nicht mehr jährliche Rotationsbrachen eingeführt. Insbesondere die Rohrammern scheinen davon zu profitieren, haben sie doch seither ihren Bestand auf ca. 60 Reviere quasi verdoppeln können.
Das Gebiet hat einen hohen Besucherdruck. Um Störungen für die Natur möglichst klein zu halten sind deswegen zwei Ranger angestellt. Im Bereich des Röhrichts dringen Stand-Up-Paddler, Kanuten und Gummiboote immer wieder in die Naturschutzzonen ein. Dank den Schutzbestimmungen und der dichten Hecke auf den Wegseiten wird das Riedland selbst jedoch kaum betreten.
Schutz
Die ersten Schutzbemühungen erfolgten bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Heidenweg ist heute eine Moorlandschaft (Nr. 275) und ein Flachmoor (Nr. 2383) sowie ein Amphibienlaichgebiet (BE1120) von nationaler Bedeutung. Zusammen mit dem Hagneckdelta ist das Gebiet zudem seit 2001 ein Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung. Weiter ist der Heidenweg ein kantonales Naturschutzgebiet. St. Petersinsel und Heidenweg sind ausserdem im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BNL) verzeichnet (Nr. 1301). BirdLife Bern besitzt auf dem Heidenweg 5,6 ha Land. Dieses von der geschichtsträchtigen von Wattenwyl-Familie gegründete Reservat wurde in eine Stiftung verwandelt und um 2010 der ehemaligen Berner Ala übergeben.
Besuch
Anreise mit dem Postauto von Ins oder Le Landeron bis Erlach und dann zu Fuss über den Heidenweg auf die St. Petersinsel (Wanderung dauert eine gute Stunde). Alternativ mit dem Kursschiff aus Richtung Biel oder Neuenburg nach Erlach oder direkt auf die St. Petersinsel.
ACHTUNG: Der Aussichtsturm ist wegen Baufälligkeit bis auf weiteres geschlossen.